Schuhtest – The North Face Ultra Vertical

Laufschuhe sind für mich als Trailrunnerin enorm wichtig. Auf der einen Seite sind sie mein wichtigster Ausrüstungsgegenstand, der mich über die Berge bringt. Auf der anderen Seite sind Schuhe natürlich ein klassisches Frauenthema. Auch ich kann nie genug Schuhe haben!

Zugegebenermaßen bin ich in der Vergangeinheit nicht besonders experimentierfreudig gewesen, was unterschiedliche Schuhmodelle und -marken angeht. Mit meinem gestiegenen Laufpensum in den letzten Jahren musste ich jedoch feststellen, dass es meinen Füßen richtig gut tut nicht immer in dem selben Modell laufen zu müssen. Darüber hinaus ist natürlich auch meine Neugierde gewachsen!

Ich wollte herausfinden, ob es wirklich einen Unterschied macht, verschiedene Schuhe für unterschiedliches Terrain oder Herausforderungen zu besitzen. Ganz klare Antwort: Ja, es macht einen Unterschied! Deshalb möchte ich euch hier den The North Face Ultra Vertical vorstellen, einen Trailrunning Schuh der für das Laufen in technisch schwierigem Gelände gemacht wurde.

Zum ersten Mal habe ich diesen Schuh auf der Outdoor Messe 2016 in Friedrichshafen gesehen. The North Face präsentierte dort eine neue Technologie für die Zwischensohle ihrer Laufschuhe. Verbesserte Dämpfungs-, sowie Trageeigenschaften im hochalpinen Bereich, also auf Geröll und Felsen, sollten die Vorzüge Ultra Vertical sein. Meine Erwartungen waren zugegebenermaßen sehr hoch und ich hatte ihn damals schon als Wettkampfschuh 2017 im Kopf.

Kurz zu den Daten:
Obermaterial: atmungsaktives, offenes Meshgewebe mit FlashDry™ Technologie
Zwischensohle: Snake Plate™-Technologie schützt den Fuß vor punktuellem Druck durch spitze Steine
Dämpfung: CRADLE™ GUIDE mit zwei Härtegraden für natürliche Dämpfung
Sohle: Vibram® Megagrip-Laufsohle
Stollen: 5 mm
Sprengung: 6 mm
Gewicht: 271 g pro Schuh bei US Damen Größe 8.5
Preis: 140,-€
Testdauer bisher: 90 Kilometer

Erster Eindruck:
Auch wenn die Form des Ultra Vertical an die des Ultra MT von The North Face erinnert, handelt es sich optisch um einen komplett neuen Schuh. Auch das Tragegefühl unterscheidet sich deutlich. Das luftige Mesh auf der Oberseite, durch das man die Socken durchsehen kann ist perfekt für den Sommer! Trotzdem ist das Material vorne an der Kappe, sowie an den Seiten teilweise mit einem gummierten Gewebe verstärkt, damit keine Steinchen hindurch gelangen können und auch um ein Einreißen des Obermaterials zu verhindern.

Richtig neugierig gemacht auf den ersten Lauf hat mich die Sohle – das aggressive Profil verspricht guten Halt. Für mich ist das mental ein ganz entscheidender Punkt, denn wenn ich der Griffigkeit meiner Schuhe nicht vertrauen kann, dann laufe ich nicht rund. Wisst ihr was ich meine?

Passform:
Voller Euphorie habe ich die Schuhe nach dem ersten Begutachten anprobiert und war danach etwas irritiert: Obwohl ich bei The North Face in allen Schuhen Größe 9 trage, bin ich hier mit den Zehen hin- und her gerutscht und konnte mir deshalb beim ersten Testlauf in den Münchner Isartrails plötzlich nicht mehr vorstellen mit diesen Schuhen über die Alpen zu flitzen. Jedoch wollte ich diesen Gedanken nicht aufgeben und habe den Schuh eine halbe Nummer kleiner probiert. Zum Glück! Denn der passt!

Richtig gut gefällt mir auch noch, dass er an der Aussenseite am Knöchel etwas ausgeschnitten ist und ich meine etwas tief sitzenden Knöchel dadurch nicht aufreibe. Dennoch bietet der Schuh perfekten Halt in der Fersenkappe, ohne dass ich ihn zu fest schnüren muss. Für Läufer mit schmalem oder normal breitem Fuß bietet der Ultra Vertical meiner Meinung nach den besten Komfort.

Laufeigenschaften in technischem Gelände:
Nachdem ich die Ultra Vertical in der für mich passenden Größe hatte, konnte ich sie zweimal in den Münchner Isartrails und bei ein paar Intervallen auf Schotterwegen testen. Dann stand ein Kurzurlaub auf Mallorca an, bei dem wir raus in die Natur und über die felsige Küste laufen wollten. Idealer Testuntergrund und erste Bewährungsprobe für den Ultra Vertical.

Im Südosten von Mallorca ging es für uns 10 Kilometer entlang der rauen und zerklüfteten Küste über teilweise scharfkantige Felsen und in kurzen Ab- und Anstiegen durch mehrere Schluchten. Zwischendurch war auch immer mal ein Stück Schotterweg dabei, aber im wesentlichen war es eine technisch anspruchsvolle Tour.

Dabei habe ich es natürlich genau wissen wollen und bin manchmal extra auf spitzen Felsen gelaufen. Von der Dämpfung des Ultra Vertical bin ich auf den bisherigen Strecken sehr zufrieden. Allerdings war noch kein Lauf mit mehr als 30 Kilometern am Stück dabei. Auf langen Läufen wird sich dieser Schuh also bei mir noch beweisen müssen.

Auch die sogenannte Snake Plate in der Mittelsohle hält, was sie verspricht – spitze Felsen und Steine tun der Lauffreude keinen Abbruch und den Stollen konnten die mallorquinischen Felsenlandschaften nichts anhaben. Es war weder Profilabriss noch Abrieb erkennbar.

Auf einem Stück ausgewaschenem Fels bin ich bergab gelaufen – auch hier spielte die Vibram Sohle ihre Vorzüge aus und klebte förmlich am Untergrund. Da wir an der Küste unterwegs gewesen sind, könnt ihr euch sicherlich vorstellen, dass ich aus Versehen nicht nur ein Mal ins Wasser getappt bin. Durch das dünne Mesh stand der Schuh natürlich sofort unter Wasser. Doch das ist jedesmal wieder schnell raus gegangen und durch die Hitze waren die Schuhe im nu wieder trocken.

Fazit:
The North Face bezeichnet den Schuh als „Die ultimative Wahl für anspruchsvolles Gelände.“, das kann ich nach meinem Ausflug an die felsige Küste von Mallorca nur bestätigen. Auch auf den technisch anspruchsvollen Trails im Kufsteiner Land hat sich der Ultra Vertical bisher sehr gut geschlagen. Mit der neuen Zwischensohle hat The North Face einen guten Schritt nach vorne gemacht. Laufen über Felsen und spitze Steine macht einfach Spaß! Durch die leichten Verstärkungen des dünnen Obermaterials wird dessen Haltbarkeit gesichert und die Atmungsaktivität des Mesh Gewebes habe ich mittlerweile sehr zu schätzen gelernt.
Die Megagrip Sohle von Vibram mit dem aggressiven Profil klebt regelrecht am Untergrund, auf den Grip kann ich mich verlassen!
Probiert den Schuh ruhig eine halbe Nummer kleiner, als ihr sonst bei Laufschuhen tragt. Meiner Meinung nach fällt er größer aus, als die andern Trailrunning Schuhe von The North Face. Der Ultra Vertical ist zur Zeit mein Lieblingsschuh, deshalb werde ich ihn auch auf den Transalpine Run mitnehmen.

 
Kein gesponserter Beitrag. Von diesen Schuhen bin ich persönlich wirklich überzeugt.